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Scheibchenweise kommen weitere Untaten des gefallenen Bankerstars ans Tageslicht.

Die grosse Vincenz-Sause ist vorläufig vorbei. Ende Oktober beugte sich die lüsterne Presse über alle pikanten Einzelheiten der Anklageschrift. Nicht nur, weil die 364 Seiten umfasst, gab es unter grossem Hallo viel zu berichten.

Oftmals mit geheuchelter Entrüstung beugten sich die Journalisten über die Spesenabrechnungen von Pierin Vincenz. Dabei kann wohl (fast) jeder Angestellte damit erwischt werden, dass er vor drei Jahren mal eine private Autofahrt als Geschäftsreise angab, eine Restaurantsause mit der Geliebten als Geschäftsessen.

Das ist zwar Kleingeld, aber dennoch ein Straftatbestand. Allerdings ist es eher selten, dass ein Staatsanwalt das zu gewerbsmässigem Betrug, Urkundenfälschung und Veruntreuung hochpumpt und satte sechs Jahre Knast dafür verlangt.

Was gibt es noch aus der Vergangenheit?

Das ist nun abgegrast, aber in der Vergangenheit muss es doch weiteren Dreck am Stecken geben. Jawohl, wird die «Handelszeitung» fündig. «Banker mit Bleifuss» – das alliteriert so schön – titelt sie. Hat Vincenz etwa zu allem zu mit überhöhter Geschwindigkeit einen Unfall gebaut?

Nein, er tat 2015 das, was auch schon anderen passiert ist: er machte sich einer Geschwindigkeitsübertretung schuldig. Offensichtlich wollte er die Fahrt über den Gotthardpass dazu benützen, auch im Auto Gas zu geben. 80 sind hier erlaubt, 118 mass die Polizei.

Ein teurer Spass für ihn, da die Busse einkommensabhängig ist. Also legte er 15’000 Franken hin, eine Geldstrafe über weitere 60’000 Franken wurde bedingt ausgesprochen. Soweit die «Handelszeitung». Weil ein solches Verkehrsvergehen nichts mit den aktuellen Anschuldigungen zu tun hat, kommt es hier auch nicht vor. Spielt also keine Rolle. Ausser, man will einen weiteren Fleck auf die Unschuldsvermutung bei Vincenz kleckern.

Man stochert gerne im Nebel

Auch der Chefredaktor der «Bilanz» stochert gerne im Nebel, also in der Beziehung zwischen Vincenz und seinem Kompagnon, den er schon mal als «Schattenmann» auf dem Cover denunzierte. Vielleicht sollte sich Dirk Schütz mehr um die merkwürdigen Geschäfte seiner Gattin kümmern, aber wenn es nichts Neues gibt, kann man doch auch viele Buchstaben darauf verwenden, Mutmassungen über den aktuellen Zustand dieser Beziehung anzustellen.

«nau.ch» zeigt hingegen, was alles passieren kann, wenn eine Meldung abgeschrieben, aber nicht verstanden wird. Brav zitiert die Online-Plattform die Entdeckung der «Handelszeitung», mutmasst dann aber: «Bedingte Geldstrafe wird relevant beim Prozess». Nein, wird sie nicht, das stand so sogar in der Quelle für die nau.ch-Kopie. Aber immerhin konnte man einen neuen Titel herausmelken.

Porträts als Verzweiflungstaten

Apropos herausmelken: typische Verzweiflungstaten im Journalismus sind «Porträts». Natürlich nicht über Vincenz, die sind durch. Aber da haben wir ja noch den Staatsanwalt, einen Beschuldigten, der einen Strafbefehl akzeptierte. Dann gäbe es noch die Ehefrau von Vincenz, von der er getrennt lebt. Vielleicht gibt es auch noch Haustiere, Aussagen von Nachbarn, vielleicht möchte sein Chauffeur sich seine 15 Minuten Ruhm sichern.

Das alles ist ja erlaubt, wenn auch völlig überflüssig. Viel interessantere Beteiligte, zum Beispiel der ehemalige VR-Präsident von Raiffeisen, ein HSG-Professor, der die Spesenabrechnungen von Vincenz durchwinkte. Oder die anderen Mitglieder des damaligen Versagerrats, die sämtliche Vorschläge von Vincenz abnickten.

Dabei gäbe es viele interessante Themen zum Recherchieren

Von den beteiligten externen Anwaltskanzleien ganz zu schweigen, die sich mit Gutachten und externen Überprüfungen mehrere goldene Nasen verdienten. Oder die Prüfgesellschaft, die auch hier Jahr für Jahr ihr Testat auf den Jahresabschluss stempelte, dafür Millionen kassierte und niemals Anlass zum Meckern fand.

Oder die neue Führungscrew; ein neuer VR-Präsident, der auch so seine Vergangenheit hat. Ein neuer CEO, von dem man eigentlich nichts sieht oder hört. Interessant wäre auch, der Frage nachzugehen, wieso denn eigentlich der Nachfolger von Vincenz, nachdem er das unter seiner Führung erwirtschaftete beste Jahresergebnis aller Zeiten vorgelegt hatte, mittels einer üblen Intrige von Bord gefegt wurde.

Warum genau gab es grosse Abschreiber nach dem Abgang von Vincenz und seinem Nachfolger?

Oder die interessanten Abschreiber, die das neue Führungsduo kurz nach Amtsantritt verkündete. Ohne genauere Begründung – ausser natürlich der naheliegenden, dass sie so in ihrem eigenen ersten Geschäftsjahr auf jeden Fall als strahlende Sieger dastünden, die alles aufräumen müssen, was Vincenz hinterliess.

In Wirklichkeit dümpelt Raiffeisen wieder vor sich hin, ausser der schon x-mal gescheiterten Idee, auch ins Versicherungsgeschäft einzusteigen, war noch nichts Neues zu hören.

All das wären interessante Themen. Aber stattdessen wird demnächst sicher noch das Richterpult porträtiert, vor dem der Prozess stattfinden wird.

Ein erfolgshungriger Staatsanwalt will ein letztes Zeichen setzen.

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Jeder weiss: der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Das merkte schon Napoleon bei Waterloo. Das ist auch dem Staatsanwalt in der Causa Vincenz klar.

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Wir sind eine Gruppe besorgter Staatsbürger und Raiffeisen-Genossenschafter.

Daher ziehen wir die Anonymität vor.

Zur Klarstellung: Pierin Vincenz hat mit dieser Plattform nicht das Geringste zu tun.

Unsere Aufgabe ist, Rechtsstaatlichkeit zu bewahren. «Es gilt die Unschuldsvermutung», dieses fundamentale Rechtsprinzip ist selten so sehr und jahrelang mit Füssen getreten worden wie in diesem Fall.

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