Was ist schon die Wertsteigerung einer Bank gegen Spesenbetrug bei einer Bank?

Sagen wir mal, ein paar Millionen mehr oder weniger, Pierin Vincenz hat in den 16 Jahren an der Spitze von Raiffeisen Schweiz dazu beigetragen, dass eine Wertschöpfung von einer runden Milliarde Franken stattfand.

Dazu eine völlige Verwandlung des Images. Von einer Bauernbank, die das Geld noch in der Schublade aufbewahrt und von Hand die Kontobücher führt, zu einer modernen Bank, die sogar die Städte erobert hat. Von einem dissonanten Chor von Einzelbanken, die von Provinzfürsten beherrscht wurden, zu einer schlagkräftigen Flotte. Dabei wurde zentralisiert, nicht überlebensfähige Banken wurden fusioniert.

IT, Backoffice, Ausweitung der Dienstleistungen, Zusammenarbeit mit anderen Banken, wo nötig, schnelle Entscheidungen, wenn nötig; so wurde der Kauf der Bank Wegelin in wenigen Wochen aufgegleist, was in anderen Bankstrukturen gar nicht möglich gewesen wäre.

Alles unter Vincenz kannte nur eine Richtung: nach oben

Wurden dabei auch unternehmerische Fehler gemacht? Aber sicher, jede in die Zukunft gerichtete Entscheidung beinhaltet die Gefahr, dass sie mit dem Wissen danach als falsch abqualifiziert werden kann. Meistens von Leuten, die noch nie eine bedeutende Entscheidung treffen mussten.

Aber selbst wenn solche Fehler gemacht wurden, die Bilanz, der Ertrag, die öffentliche Wahrnehmung, alles kannte nur eine Richtung: nach oben. Erst seinem langjährigen Weggefährten und Nachfolger Patrik Gisel gelang es, einen noch besseren Jahresabschluss hinzulegen als Vincenz. Als Dank dafür wurde er auf übelste Art zum Rücktritt gezwungen.

Nicht nur der Jahresabschluss war noch besser als bei Vincenz; gleichzeitig stemmte Gisel noch den Grossumbau der IT-Plattform der Bank, was bekanntlich noch nie ohne grösseres Gerumpel abging.

Die Nachfolger: nichts Nennenswertes

Während Vincenz und Gisel das alles ohne jede Unterstützung des VR vollbrachten, der das übliche Gremium von Abnickern war, mehr interessiert am üppigen Honorar als an sonst irgendwas, während der VR-Präsident jahrelang zum Beispiel alle Spesenabrechnungen des Bankchefs ohne zu zögern durchwinkte, fallen die Nachfolger, der neue CEO und der neue VR-Präsident nur durch zwei Dinge auf.

Sie reden alles schlecht, was ihr übergrosser Vorgänger erreicht hat. Und sie selbst liefern höchstens Mittelmass ab. Der VRP fiel bislang einzig durch einen grossartig angekündigten Plan «Raiffeisen 2025» auf. In dem er die Uralt-Idee einer One-Stop-Rundum-Beraterbank, mit der das letzte Mal CEO Mühlemann bei der Credit Suisse auf die Schnauze fiel, wieder aufwärmte. Und auf, höflich ausgedrückt, lauwarme Zustimmung stiess.

Viel Geld für Wertvernichtung, wenig Geld für Wertsteigerung

Diese gigantische Wertsteigerung vollbrachte Vincenz für ein Jahresgeld, das im Vergleich zu den beiden Grossbanken ein Witz war. Dafür hätten die bonusgierigen Chefs von UBS und CS nach spätestens einem Monat den Schreibstift aus der Hand gelegt. Während sie für Millionengehälter und Millionenboni die beiden Banken ins Elend managten. Die UBS überlebte nur dank Staatshilfe, die CS begab sich in die Hände von arabischen Investoren, die traumhafte Verzinsungen von bis zu 10 Prozent dafür kassierten, ihr Geld zu riskieren. Während die beiden Grossbanken kein Fettnäpfchen ausliessen, eine Riesenbusse nach der anderen kassierten, bis heute noch mit Altlasten aus wilderen Zeiten zu kämpfen haben, marschierte Raiffeisen durch die Finanzkrise eins, durch sämtliche internationalen Streitigkeiten, ohne einen einzigen Fleck auf der weissen Weste.

Keine Beihilfe zur Steuerhinterziehung, keine Bussen, nichts. Im Gegenteil, Vincenz stellte als einer der ersten Bankenführer das heilige Schweizer Bankgeheimnis in Frage. Weil es nicht nur die beiden Grossbanken dazu missbraucht hatten, für Schwarzgeld einen sicheren Hafen zu bieten.

Bankgeheimnis ade, denn Vincenz brauchte es nicht

Während der damalige Finanzminister der Schweiz noch tönte, dass man sich an diesem Bankgeheimnis die Zähne ausbeissen werde, war Vincenz viel weitsichtiger. Im Zeichen verlumpender Staaten und globalisierten Geldströmen, angesichts der totalen Abhängigkeit aller Banken von Dollargeschäften war ihm schnell klar, dass das Bankgeheimnis nicht mehr zu verteidigen war.

Was ihm natürlich den Zorn aller anderen Banken einbrachte, die mit der zudem schlechten Verwaltung von Schwarzgeld Heidenprofite einsteckten. Das war das Umfeld, in dem Vincenz wirkte. Vergleichsweise mies bezahlt, vollbrachte er Wunderwerke. Nicht zuletzt die strategische Meisterleistung, sich immer als Diener von rund 300 Herren, den einzelnen Raiffeisen-Genossenschaften, zu geben. Dabei wusste er: zu viele Chefs, keine Kontrolle.

Macht Leistung immun gegen Strafe?

Stieg ihm der Erfolg zu Kopf? Sicherlich. Machen ihn diese Wunderwerke immun gegen Strafverfolgung? Sicher nicht. Sollte man ihm durchgehen lassen, dass er monatlich Spesen verursachte, die die Teppichetage der beiden Grossbanken nicht mal eines Fingerschnipsens gewürdigt hätte? Natürlich nicht, wenn er damit gegen Reglemente verstossen haben sollte.

Durfte er deswegen in den eigenen Sack wirtschaften bei Transaktionen, die er im Auftrag seines Arbeitgebers ausführte? Falls das gegen Gesetze verstossen haben sollte: natürlich nicht.

Aber hat er diese Vernichtung seines Rufs, diese unauslöschliche Stigmatisierung, völlig unabhängig vom Ausgang des Gerichtsverfahrens, verdient? Sicher nicht.

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